Samstag, 2. Juli 2022

Freuds Prinzessin

Eine Dame auf der Couch eines Psychiaters. Sie sagt ihm gerade: Ich hatte Mörder gerne, sie kamen mir interessant vor. War mein Großvater nicht selbst einer, als er den Journalisten Victor Noir tötete? Und mein Urgroßonkel, Napoleon, was für ein monumentaler Mörder! Sie heißt Marie Bonaparte und ist eine Prinzessin. Der Psychiater heißt Sigmund Freud, die Prinzessin hat ihm die Flucht aus Österreich ermöglicht. Dies ist natürlich eine Filmszene, Sie können den Film, in dem Catherine Deneuve die Prinzessin Bonaparte spielt, hier sehen. 

Im Jahre 1907 hat Marie Bonaparte einen Prinzen geheiratet. Der kommt aus einem Land, das gerade den Staatsbankrott erklärt hat. Der Bankrott wird mit den Worten von den lieben, nie zahlenden Griechen in Fontanes Stechlin erwähnt. Der Prinz hat kein Geld, aber einen Titel. Das Geld hat sie. Nicht aus der Familie ihres Urgroßonkels Napoleon, das Geld kommt vom Opa mütterlicherseits, der die Spielbank von Monte Carlo gegründet hat. Die Prinzessin ist nicht nur Freuds Patientin, sie ist auch seine Schülerin und wird selbst Psychoanalytikerin werden. Und sie interessiert sich für Mörder. Unter dem Einfluss des Soziologen Gustav Le Bon besucht sie Mordprozesse und schreibt Bücher wie  Der Fall Lefebvre: Zur Psychoanalyse einer Mörderin.

Sie schreibt aber noch über jemand anderen, über einen Schriftsteller, in dessen Welt Mord und Wahnsinn eine Rolle spielen: And much of Madness and more of Sin And Horror the soul of the plot. Sie veröffentlicht 1933 eine  psychoanalytische Studie über Edgar Allan Poe (hier die deutsche Übersetzung des Buches). Ihr Freund Sigmund Freud schreibt einige nette Zeilen für das Vorwort: Meine Freundin und Schülerin Marie Bonaparte hat in diesem Buch das Licht der Psychoanalyse auf das Leben und das Werk eines großen krankhaft gearteten Dichters fallen lassen. Dank ihrer Deutungsarbeit versteht man jetzt, wieviel von den Charakteren seines Werkes durch die Eigenart des Mannes bedingt ist, erfährt aber auch, daß diese selbst der Niederschlag starker Gefühlsbindungen und schmerzlicher Erlebnisse seiner frühen Jugend war. Solche Untersuchungen sollen nicht das Genie des Dichters erklären, aber sie zeigen, welche Motive es geweckt haben und welcher Stoff ihm vom Schicksal aufgetragen wurde. Es hat einen besonderen Reiz, die Gesetze des menschlichen Seelenlebens an hervorragenden Individuen zu studieren.

Man hätte Marie Bonaparte vielleicht vergessen, wenn sie nicht 2004 von Catherine Deneuve gespielt worden wäre. Ihr Leben reicht nicht nur für einen in Wien gedrehten dreistündigen Fernsehfilm, es reicht für mehrere Romane. Nachdem Freud 1938 mit der Couch aus seinem Wiener Behandlungszimmer nach London gekommen war, versuchte die Prinzessin, griechische oder französische Visa für seine Schwestern in Wien zu bekommen, es ist ihr nicht gelungen. Freuds vier Schwestern wurden von den Nazis in Konzentrationslagern ermordet.

Diesen apulischen Glockenkrater aus dem vierten Jahrhundert hatte die Prinzessin, die heute vor einhundertvierzig Jahren geboren wurde, Sigmund Freud geschenkt. Sie wusste, dass er Antiken liebte, noch mehr als seine ZigarrenIch arbeite in einem großen, ruhigen Parterreraum mit Bergaussicht an der Vervollständigung meiner Traumarbeit. Meine von Dir so wenig anerkannten alten und dreckigen Götter beteiligen sich als Manuskriptbeschwerer an der Arbeit, schreibt Freud 1889 an seinen Freund Wilhelm Fließ. Das Geschenk der Prinzessin war ein Prunkstück seiner Sammlung, von der er dank der Prinzessin einen großen Teil hatte nach London mitnehmen können. Die Sammlung ist heute zum größten Teil im Freud Museum in London zu sehen. Die berühmte Couch auch. Der apulische Glockenkrater nahm nach Freuds Tod seine Asche auf, das hatte sich seine Familie so gewünscht. Vor acht Jahren wurde er von Dieben bei einem Einbruch im Krematorium von Golders Green schwer beschädigt. Wussten die Einbrecher, was sie taten?

ce n'est jamais fini

In dem Post Print on Demand hatte ich darüber geschrieben, wie ích mir bei einem Print on Demand Verlag ein kleines Buch gebastelt habe. Das Dutzend Exemplare von souvenirs et regrets war schnell an Freunde verschenkt. Es gab Kritik und Anregungen, viele der Beschenkten kannten die Frau, von der diese drei Schnappschüsse die Rückseite zierten. Ich nahm alle Kritik zur Kenntnis, aber ich befolgte erst einmal Montaignes Satz j'adjouste, mais je ne corrige pas. Kaum war das Ganze gedruckt, da überlegte ich mir, ob man das nicht noch besser machen könnte. Man hört ja nie auf zu schreiben, ich auf jeden Fall nicht. Es ist zu verlockend, etwas zu ergänzen. Das Desktop Publishing verführt dazu. Ich hatte die vier Geschichten von der schönen Buchhändlerin in den zusammengeschnipselten Roman eingefügt, und da sollten noch kleine Deails hinein, um der Heldin noch ein klein wenig mehr Eigenleben zu geben. Kleine Sätze wie: Sie hatte damals nicht nur den R4 behalten, sie hatte auch noch ein halbes Dutzend von seinen großen hellblauen Hemden. Als er ihr einmal nachts sagte, sie könne nicht immer nachts nackt in seiner Wohnung herumlaufen, hatte sie eins der Hemden angezogen. 'Das ist nun noch nackter als vorher', sagte er. Das fand sie auch, deshalb klaute sie ihm die Hemden und trug sie zuhause. Immer nackt.

Der Lektüre von Anna Karenina verdankte ich den Satz il ne faut jamais rien outrer, den ich meiner Buchhändlerin in den Mund legte. Immer, wenn ich mich ein wenig langweilte und nicht gerade das ebay das Angebot von italienischen Hemden durchforschte, holte ich das Manuskript aus der Ablage und schrieb ein bisschen darin herum. Der Text sollte nicht länger werden als achtzig bis neunzig Seiten, wenn etwas dazu kam, flog an anderer Stelle etwas heraus. Nun habe ich das überarbeitete Manuskript, was soll ich damit machen? Wieder liegenlassen? Wieder umschreiben? Ich stelle heute zum Pfingstfest einmal das neue Vorwort in den Blog und wünsche Ihnen ein frohes Pfingstfest. Was dann mit dem Text wird, wird man sehen, da lasse ich erstmal Doris Day Que sera, sera singen.

          deuxième édition

Ich hatte diese kleine Liebesgeschichte geschrieben, eine Geschichte, wie sie in meinem Blog Silvae im Internet immer wieder auftaucht, abgesehen davon, dass die Geschichte diesmal autobiographisch war. Ich suchte noch ein ganz bestimmtes Chanson, das ich dem Ganzen voranstellen wollte. Zeilen aus französischen Chansons waren schon durch den ganzen Text gelaufen, also Dinge wie Et maintenant que vais-je faire?Ne me quittez pasDis, quand reviendras-tu?Parlez-moi d'amour. Der Text wurde beim Schreiben immer länger, aber der Titel des gesuchten Chansons war mir immer noch nicht eingefallen. Ich wusste, worum es im dem Lied ging, das würde perfekt meinen Text abrunden. Alles, worüber ich schrieb, stand in diesem Chanson.

Auch wenn ich, wie Urs Widmer das so schön gesagt hat, ein Erinnerungselephant bin, der Kopf blieb leer. Ich machte mir keine Sorgen, ich schrieb nicht unter Zeitdruck. Irgendwann kommt alles wieder. Dann sah ich bei arte den wunderbaren Film Un dimanche à la campagne von Bertrand Tavernier. Den besitze ich zwar auf einer DVD, und die Romanvorlage Monsieur Ladmiral Va Bientot Mourir von Pierre Bost habe ich auch gelesen, aber ich schaute mir den Film noch einmal an. Weil ich den anrührenden Schluss sehen wollte, wo der alte Monsieur Ladmiral eine neue Leinwand auf die Staffelei stellt, und die Kamera durch die Balkontür in den Park hinausfährt. Und wir wissen, er wird jetzt dieses Bild malen, das er immer malen wollte. Oder sterben. Als die bezaubernde Sabine Azéma zum erstenmal im Film erschien, fragte ich mich, warum die eigentlich nie in einem Film von François Truffaut war. Und in dem Augenblick machte es in meinem Gehirn klick, und eine Stimme, die nur ich hören konnte, sagte: Baisers volés.

Das war es, ich hatte das Chanson gefunden. Am Anfang von Truffauts Film Baisers Volés wird es von Charles Trenet gesungen, der den Text auch geschrieben hat. Seine erste Aufnahme zu dem Lied, das Léo Chauliac komponiert hatte, stammt aus dem Jahre 1942. Chauliac begleitete Trenet damals bei seinen Auftritten am Klavier, und gemeinsam schrieben sie Trenets größten Erfolg La mer. Aus Trenets Chanson Que reste-t-il de nos amours brauchte ich nur den Refrain:

Que reste-t-il de nos amours
Que reste-t-il de ces beaux jours
Une photo, vieille photo
De ma jeunesse
Que reste-t-il des billets doux
Des mois d' avril, des rendez-vous
Un souvenir qui me poursuit
Sans cesse
Bonheur fané, cheveux au vent
Baisers volés, rêves mouvants
Que reste-t-il de tout cela
Dites-le-moi


Trenet genügten zwölf Zeilen, um nostalgisch das Liebesleid zu beschreiben. Ich brauchte für meine Liebesgeschichte über diese Frau, die ich Ingrid genannt hatte, viel mehr. Bevor die Geschichte in einem kleinen Print on Demand Verlag gedruckt wurde, schickte ich sie erst einmal an einige Testleser, das hatte ich immer so gemacht, old men forget. Als ich meine Autobiographie zu schreiben begann, hatte ich beschlossen, Freunde und Bekannte von Anfang an zu beteiligen. Und vielleicht auch ein wenig auszubeuten. Aber nur ein klein wenig. Hätte ich all das gesammelt, was sie mir schrieben (und häufig waren ihre Erinnerungen viel genauer und schöner als meine), hätte ich ein zweites Buch fertig. Mein Text hatte bei vielen einen mäeutischen Effekt, wie Peter das nannte. Viele meiner Testleser begannen, über ihr eigenes Leben nachzudenken und darüber zu schreiben, memory hold-the-door

Raymond Chandler hat das Wort cannibalizing dafür gebraucht, dass er aus älteren Geschichten neue Geschichten oder Romane machte. Und dieses cannibalizing wurde auch zu meiner Methode, ich bediente mich reichhaltig an dem, was ich in meiner erst einmal zur Seite gelegten Autobiographie Bremensien und in meinem Blog Silvae über die belle inconnue geschrieben hatten. Die Erzählungen über die schöne Buchhändlerin, eine Figur, die ich erfunden hatte, wanderten auch in den Text. Dort schrieb ich ein anderes Leben für sie. Irgendwie haben sie vielleicht etwas mit der Ingrid zu tun, ich habe das Gefühl, sie glaubt das.

Und dann kamen noch Briefe von ihr in den Text, da ich gerade beim Aufräumen all ihre Briefe in einer Kommodenschublade wiedergefunden hatte. Schöne Briefe, immer mit blauer Tinte auf grauem Papier geschrieben, sie hatte offenbar keine Schwierigkeiten mit dem Füllfederhalter. Ich komme damit nie zurecht, ich besitze mehrere Pelikan Füller, aber sie hassen mich, ob sie eine Goldfeder haben oder nicht. Ich tippte jetzt einzelne Briefstellen in das Ganze, die schöne Frau sollte ja auch zu Wort kommen. Einmal hat sie Goethe ins Französische übersetzt: Seul celui qui connaît la nostalgie, sait ce que j'endure. Solitaire et sevrée de toute joie. Je regarde le firmament De l'autre côté. Ah ! qui m'aime et me connaît, Est dans l'immensité. Sie schreibt einen ironischen Satz dazu, aber ich weiß, dass sie das mit der Einsamkeit und der Sehnsucht todernst meint.

Auch wenn Sie damals irgendwo in Frankreich war, wir sind uns nah. Sie schreibt immer wieder, mit Anreden wie Mon tendre ami und Mon Amour. Der kürzeste Brief, den ich von ihr bekomme, enthält nur zwei Sätze und den Teil eines Gedichts: Es ist so schwer, Dir zu sagen, daß ich Dich liebe. Ich habe es noch nie getan. Liebe muss rein in eine Liebesgeschichte, den Sex lassen wir mal aus. Dafür habe ich mein Kunstgeschöpf, die schöne Buchhändlerin. Die darf nackt unter der Dusche L'amour est un oiseau rebelle Que nul ne peut apprivoiser singen. Und andere Sachen machen, die Geschichten mit ihr sind noch nicht zuende, ich schreibe gerade wieder an einer. Man schreibt immer  an irgendwas. Warum nicht über Frauen?

Ein Freund sagte mir nach der Lektüre der ersten Version von souvenirs et regrets, es sei zwar glänzend geschrieben, aber es hätte eine sehr seltsame Form, und er vermisse die Seitenzahlen. Seitenzahlen hatte ich vergessen, ein Vorsatzblatt auch. Dafür entschuldige ich mich schon mal. Dies alles sind Schnipsel eines Lebensfilms, dessen Regisseur ich nicht war, ich füge nur die Filmschnipsel zusammen. Weil ich eben kein richtiger Romanautor bin, weil mir der epische Atem fehlt, das habe ich schon in romancier manqué gesagt, einem Post, der direkt in diesen Text gewandert ist. Aber vielleicht ist die schnipselige Struktur schon angebracht, sagt uns doch Montaigne: Wir sind alle aus Flicken zusammengesetzt und das so ungestalt und kunterbunt, dass jedes Stück jeden Augenblick ein eigenes Spiel treibt.

Jetzt bin ich am Überarbeiten, nur für mich und ein paar andere, die happy few. Und natürlich für sie, wieder zum Geburtstag. Oder zu Weihnachten. Ich bin noch nicht zufrieden mit dem Text, man ist nie zufrieden mit dem Text. Ich will auch unter hundert Seiten bleiben. Ich feile und poliere, aber schnipselig bleibt es immer noch. Noch kann ich Montaignes Satz J'ay faict ce que j'ay voulu: tout le monde me recognoist en mon livre, et mon livre en moy nicht unter das Ganze schreiben.

Aber ich habe ja noch Zeit, mich hetzt niemand, ihr Geburtstag ist noch in weiter Ferne, Weihnachten auch. Ich kann schreiben, streichen und umschreiben, soviel ich will. Das ist der Vorteil des Desktop Publishing. Wenn ich mit der Schreibmaschine schriebe, würde ich jetzt viel Tippex brauchen. Ich lasse meine Romanfigur Ingrid mit ihren Ballerinas über die schlammigen Feldwege in Zetel balancieren, in jenem nassen Frühjahr, als ich mich in sie verliebte und sie in der kleinen Kirche photographiert habe. Ich lasse sie in der Nacht am Meer Sternschnuppen zählen und auf das Meeresleuchten warten. Ich bin der Herr über den Text. Aber da ich, wie gesagt, kein richtiger Romanautor bin, erfinde ich kaum etwas, alles ist irgendwie wahr. Manchmal mache ich ein wenig von der poetic licence Gebrauch, die jedem Autor zusteht. Doch die schlammigen Feldwege hat es gegeben, die Sternschnuppen auch. Ich lasse allerdings vieles aus. Nicht alles im Leben ist schön, und die schöne Frau ist nicht immer lieb wie eine Katze (wie sie mal geschrieben hat). Es gibt in einem halben Jahrhundert mehr schlammige Feldwege als Sternschnuppen.

Ich wäre nie auf die Idee gekommen, dieses kleine Buch zu machen. Aber der Georg, der uns allen Cricket beigebracht hat (was Ingrid überhaupt nicht gefiel: Gott, ist das langweilig, wir hätten lieber zum Strand fahren sollen), und der jeden Tag alle Tippfehler aus meinem Blog herauskorrigiert, hat mir gesagt, ich würde soviel über Frauen schreiben, damit könnte ich schon einen eigenen Blog füllen. Habe ich sofort getan, der neue Blog, in dem Malerinnen, Schriftstellerinnen und Schauspielerinnen versammelt sind, heißt femmes, ist eigentlich sehr schön, wird aber kaum gelesen. Georg hatte das allerdings gar nicht so gemeint, wie mir später klar wurde; er hatte gemeint, dass es für alle diese Posts über die Frau, die ich Ingrid genannt hatte, eigentlich einen Blog geben müsste. 

Wie immer sie wirklich heißt. Die Photos von ihr im Netz habe ich am Computer verändert, und vielleicht ist das, was ich schreibe, auch nur eine Adobe Photoshop Fälschung. Ist es wahr, dass die Vergangenheit nur das photographische Negativ ist, das in der Gegenwart entwickelt wird? Ich habe schon vor Jahrzehnten in meinem kleinen Photolabor im Keller gelernt, dass man mit Photographien viel machen kann. Dass man mit Wörtern viel machen kann, lernte ich beim Schreiben von Liebesbriefen. Was ich jetzt schreibe, ist auch une photo, vieille photo de ma jeunesse. Und ihrer jeunesse auch.

In dem Augenblick, als ich merkte, dass der Georg etwas ganz anderes gemeint hatte als den Blog femmes, rief mich mein Freund Yogi aus den USA an und sagte mir, er hätte da eine tolle Idee. Man könnte aus den vielen kleinen Ingrid Posts im Internet einen kleinen Roman machen, er würde den auch verlegen. Er hätte auch schon Ideen, wie der Roman anfangen sollte. Ich sagte, ich würde es mir überlegen. Ich hasse es, wenn andere für mich Ideen haben, auch wenn es gute Ideen sind. Ich schlief unruhig in der Nacht, aber ich hatte keine Albträume. Am nächsten Morgen guckte ich mir an, was ich in den letzten zehn Jahren über die Frau geschrieben hatte. Dann stopfte ich mir eine Pfeife und fing mit dem cannibalizing an. Und dann stellte ich die Strophe aus dem Chanson von Charles Trenet vor das Ganze. Denn alles, was ich schreiben wollte, steht schon hier. Es ist doch immer dieselbe Geschichte.
 

Happy Birthday, Prunella Scales

Hier steht die englische Königin neben dem Direktor der königlichen Gemäldesammlung Sir Anthony Blunt. Sie diskutieren über die Echtheit eines Gemäldes. Blunt sagt gerade: Because something is not what it is said to be, Ma'am, does not mean it is a fake. It may just have been wrongly attributed. Sie wissen natürlich, dass das hier nicht die englische Königin ist, das ist die Schauspielerin Prunella Scales, die Queen Elizabeth in dem Theaterstück A Question of Attribution von Alan Bennett spielt. James Fox, den Sie schon in dem Post The Go-Between an der Seite von Dirk Bogarde sehen können, spielt den Kunsthistoriker Sir Anthony Blunt. Zu dem Theaterstück gab es hier schon vor Jahren den Post (Sir) Anthony Blunt, in dem man auch den wunderbaren Film A Question of Attribution anklicken konnte. Es geht in dem Film nicht nur um die Echtheit eines Tizian Gemäldes, es geht auch um Sir Anthony. Denn es ist langsam ans Licht gekommen, dass der Direktor der königlichen Gemäldesammlungen und des Courtauld Institutes in Wirklichkeit seit den dreißiger Jahren ein sowjetischer Spion ist. Der Verrat an England ist ein Theme, das bei Alan Bennett gut aufgeehoben ist, er behandelt es in An Englishman Abroad und anderen Theaterstücken.

Prunella Scales ist am 22. Juni neunzig Jahre alt geworden. Dazu möchte ich ganz herzlich gratulieren. Sie hat viele Rollen in ihrem Leben gespielt, aber ewig in Erinnerung bleibt sie als die englische Königin in A Question of Attribution und als Sybil Fawlty. Ich weiß nicht, ob Sie sich noch an die schreiend komische Sitcom Fawlty Towers erinnern. Da ist sie die Ehefrau von Basil Fawlty, den wir besser als John Cleese kennen: I feel very grateful for Sybil. 'Fawlty Towers' was very hard to make, but it was very stimulating. Es hat zwölf Folgen gegeben, sie sind zu Klassikern des englischen Humors geworden: It's strange how 'Fawlty' has become a perennial. I keep meeting new generations of schoolboys who know the lines better than I did when I said them. The program has sensational sales in video. I'm mercifully on a small percentage, hat sie einmal gesagt. Und sie hat auch gesagt, dass die Drehbücher von John Cleese schon Klassiker seien: I shouldn't be surprised if John Cleese's scripts don't become set texts for examinations-they're classics. And I can't tell you how service in English hotels has improved since 'Fawlty Towers.' Was den Service in englischen Hotels betrifft, so hat es einen Chaoten wie Basil Fawlty wirklich gegeben. Cleese war mit der Monty Python Truppe in seinem Hotel untergebracht. Er sei der unflätigste Mensch, der mir je über den Weg gelaufen ist, hat John Cleese gesagt. Und ihn in die Serie geschrieben.

Sonntag, 29. Mai 2022

Die Prinzessin von Sibirien

Diesen Herrn werden Sie wahrscheinlich nicht kennen, aber dafür haben Sie ja mich. Er heißt Nikolai Alexandrowitsch Bestuschew, er ist ein Korvettenkapitän der russischen kaiserlichen Flotte. Ich bin auf ihn durch ein Weihnachtsgeschenk von Friedhard gekommen, das Sibiriens vergessene Klaviere heißt, geschrieben von der Engländerin Sophy Roberts. Es liest sich wahrscheinlich im englischen Original besser als in der Übersetzung. Ich wünschte mir, dass jemand wie Adam Gopnik das Buch geschrieben hätte, auf diesem Niveau ist Roberts trotz mehrerer Hochschulabschlüsse nicht, sie geht auch etwas flusig mit den Fakten um. In einer Rezension las ich, das Buch sei in einer erfrischenden Sprache geschrieben, so etwas ist immer verdächtig. Nikolai Bestuschew kommt in dem Buch vor, obgleich alles über ihn etwas genauer und vollständiger sein könnte. Sie fragen sich jetzt natürlich, was hat ein russischer Korvettenkapitän mit Klavieren in Sibirien zu tun?

Als er noch die schöne Marineuniform trug und der Direktor des Marinemusums war, hatte der Adlige nichts mit Klavieren zu tun, aber Jahre später wird er aus Freundschaft zur Prinzessin Maria Wolkonskaja ihr Klavier in Sibirien 
reparieren. Maria Wolkonskaja kennen Sie schon, weil Sie hier schon einen Post hat (sie kommt auch in dem Post der heilige Doktor vor). Als Bestuschew das Klavier repariert, ist er als einer der Dekabristen degradiert und nach Sibirien verbannt. Er kann das Klavier nur reparieren, weil er so etwas Ähnliches wie ein Universalgenie ist. In der Verbannung wird er Uhren bauen, einen Chronometer entwerfen, ein Gerät zur Registrierung von Erdbeben erfinden, ein Rettungsboot namens Bestuzhevka konzipieren und das Zielfernrohr verbessern. Diese Erfindung wird im Krimkrieg zum Einsatz kommen. Nebenbei schreibt er auch noch Erzählungen. Und malt alle Dekabristen, die crème de la crème des russischen Adels, die der Zar Nikolaus nach Sibirien geschickt hat. 

Das hier ist Bestuschews Vater Alexander, ein gebildeter Gentleman. Artillerieoffizier unter Katharina der Großen, jetzt retitiert, Schriftsteller und Zentrum eines liberalen intellektuellen Zirkels. Er wird es nicht mehr erleben, dass seine Söhne als Dekabristen verurteilt werden. Die Prinzessin Maria Wolkonskaja ist nicht als Verurteilte in Sibirien, die Freundin Puschkins ist ihrem Gatten in die Verbannung gefolgt, ihre Schwester hatte ihr aus Moskau ein Klavier geschickt. Nach siebentauend Kilometern mit Kutsche und Schlitten klang das Klavier nicht mehr so gut. 

Wir wissen, dasss Nikolai Bestuschew Englisch konnte, das können wir in den Memoiren des ehemaligen Rittmeisters Iwan Dmitrijewitsch Jakuschkin (Bild) lesen: Wir hatten sehr wenige Bücher. Murawiew hatte eine französische Bibel und Sallust in französischer Übersetzung mitgenommen; ich hatte nur Montaigne mitnehmen können, aber zum Glück hatte Bestushew zwei Bände alter englischer Journale, einen Band von Rambler und einen Band von Gärtner. Mit Hilfe Bestushews lernten Murawiew und ich Englisch. Die Bibliothek unseres Offiziers bestand nur aus zwei Büchern, die er uns beide zu lesen gab; aber er konnte sich nicht entschließen, uns Bücher aus Rotschensalm zu verschaffen; statt dessen erhielten wir, völlig unerwartet, ein Heft, in das mit lateinischer Schrift der letzte Teil von 'Childe Harold' eingetragen war. Zwei in Rotschensalm lebende Damen, Frau Tschebischewa und ihre Schwester hatten das Heft gebracht. Wir waren sehr gerührt durch diese Freundlichkeit und schätzten die Gabe hoch. Nur Frauen - von wahrem Gefühl beseelte Frauen - konnten sich so in unsere Lage hineinversetzen und ihre Teilnahme auf eine so zarte Weise äußern. Bestuschew hatte nicht nur das Journal Rambler von Samuel Johnson bei sich, er übersetzte auch Teile von Lord ByronSir Walter Scott und Thomas Moore ins Russische. Einen Teil von Jakuschins Memoiren kann man hier in Aus der Dekabristen-Zeit: Erinnerungen hoher russ. Offiziere (Jakuschkin, Obolenski, Wolkonski) von der Militär-Revolution des Jahres 1825 lesen.

Das hier ist nicht das Klavier, das Bestuschew repariert und gestimmt hat. Es ist eins von drei Klavieren, die die Prinzessin bessessen hat. Dieses pyramidale Klavier, wahrscheinlich 1782 in Wien gebaut, ist vielleicht durch einen Musiklehrer ins Haus gekommen. Das Klavier, das ihr der Bruder geschenkt hatte, war ein Lichtenthal Flügel aus dem Jahre 1831, das erste Klavier (das Nikolai Bestuschew reparierte) sah ganz anders aus. Das seltene pyramidale Klavier und das wahrschenlich ebenson seltene Klavier von dem St Petersburger Klavierbauer Hermann Lichtenthal stehen heute im Museum in Irkutsk.

Es wird lange dauern, bis das Ehepaar Wolkonski in dem Haus wohnt, das heute ein Museum ist. Da muss erst der Zar Nikolaus sterben, und sein Nachfolger etwas Milde walten lassen. Vier Jahre, nachdem sie in Sibirien angekommen sind, malt Nikolai Bestuschew dieses Aquarell. Wir sehen kein elegantes Wohnzimmer, wir blicken in eine Zelle. Und das hier ist das erste Klavier, das nach Siberien kam. Bestuschew repariert und stimmt es. Und malt es auch gleich für uns. 

Marias Vater, der General Nikolai Nikolajewitsch Rajewski, war ein Held des Großen Vaterländischen Krieges. Der Zar hatte ihm die Ehre zuteil werden lassen, dass er an seiner Seite in Paris einreiten durfte. Marias Ehemann ist auch ein Held des Großen Vaterländischen Krieges. Er war der Flügeladjutant von Kutusow, er verfolgt Napoleon bis an die Beresina, er erhält nach der Völkerschlacht von Leipzig den Orden des Heiligen Georg, er ist im Gefolge von Zar Alexander beim Wiener Kongress dabei. Wenn ein Mann mit solcher Biographie sich gegen den neuen Zaren wendet, dann zeigt das die Krise des autokratischen Zarentums auf. Und Wolkonski ist nicht allein, es sind viele, seien sie General wie Wolkonski, Oberst wie Trubetzkoi oder Rittmeister wie Jakuschkin. Sie alle waren im Krieg gegen Napoleon, sie alle haben in Frankreich neue Ideen aufgegriffen. Sie wollen ein liberales Rußland. Und die Abschaffung der Leibeigenschaft.  

Sie werden ihre Ideale mit nach Sibirien nehmen. Man kann mit Bestimmtheit sagen, hat Nikolai Basargin geschrieben, dass unser langwährender Aufenthalt in den verschiedensten Orten Sibiriens fuer die geistige Entwicklung der Einwohner gewissen Nutzen gebracht hat und die gesellschaftlichen Beziehungen um einige neue und wertvolle Gedanken bereicherte. Bedenkt man dazu noch den Einfluss, den die Entdeckung der Goldfelder, die Erfolge in Industrie und Handel ausuebten, was eine grosse Anzahl kluger Menschen nach Sibirien lockte, so scheint es nicht verwunderlich, dass sich in den letzten zwanzig Jahren in diesem Lande so vieles zum Besseren gewendet hat. Das hat vielleicht auch Nikolai Bestuschew geglaubt, der sich hier mit einem Bild seines Bruders in der Hand, portraitiert hat. Er ist mit seinem Bruder Michail Bestuschew, in Sibirien geblieben. Seinen anderen Bruder, den damals sehr berühmten Schriftsteller Alexander Alexandrowitsch Bestuschew hatte die Familie aus der Gefangenschaft freikaufen können, unter der Bedingung, dass er sofort wieder in die Armee eintrat. Er fiel 1837 für sein Vaterland bei Sotschi. Alle Brüder Bestuchew finden Sie hier auf dieser sehr informativenBilderseite.

Das Ehepaar Wolkonski hätte in Tolstois Roman Die Dekabristen sicher eine wichtige Rolle gespielt, aber der Roman blieb ein Fragment. Tolstoi hatte es sich beim Schreiben anders überlegt und schrieb Krieg und Frieden. In dem Roman gibt es zwei Familien, die Bolkonski  und Drubetzkoj heißen, das ist wohl kein Zufall. Die Häuser der Fürsten Wolkonski und Ttubetzkoi sind heute Museen der Dekabristen.  Die Erinnerungen von Maria Wolkonskaja (hier von Bestuschew portraitiert) stehen im Original im Internet, leider nicht in deutscher Übersetzung. Man findet das Buch aber noch leicht antiquarisch für kleines Geld. Das Nachwort der Übersetzerin Lieselotte Remané können Sie hier lesen. Das Buch von Christine Sutherland Die Prinzessin von Sibirien: Maria Wolkonskaja und ihre Zeit ist auch noch leicht zu finden.

Ich habe mit einem Korvettenkapitän, der in Sibirien das Klavier einer Prinzessin repariert, angefangen. Und dann kam, wie das häufig bei mir so ist, eins zum anderen. Sophy Robert hat das Klavier der Wolkonskaja zum Anlass genommen, um über die Klaviere in Sibirien zu schreiben. Man kann aber auch sagen, dass durch die Prinzessin nicht nur ein Klavier nach Sibiren kommt, das Klavier ist ein Symbol für die Kultur, die jetzt nach Sibirien kommt. Die Prinzessin soll auf ihrem Klavier irgendwann Stille Nacht, Heilighe Nacht gespielt haben. Das erzählen die Fremdenführer in Irkutsk gerne, aber ich weiß nicht, ob das wahr ist.

Mittwoch, 9. März 2022

all you need

Ein Freund von mir, der Amerika gut kennt, bekommt von seinen amerikanischen Freunden immer Cartoons und Photos zur politischen Lage aus den USA geschickt. Er hatte mich mal gefragt, ob er die an mich weiterleiten soll oder ob mich das langweilte. Es langweilt mich überhaupt nicht. Das Photo in dem Post Menetekel habe ich auch auf diese Weise bekommen. Man kann viel aus solchen Cartoons und Photos lernen. Dies Photo hier hat etwas mit einer Diskussion zu tun, die in Amerika seit Jahren geführt wird. Und für die Leute wie ✺Rush Limbaugh (der Feministinnen feminazis nannte) und Glenn Beck (I don't hate women; they're very convenient to have around ,,, they just shouldn't be voting. You cannot figure women out. You don't know the psychosis that is 'chickdom.' Guys, you can figure out: food, sex... That's it! We're simple. Women are psychos) stehen. Rechtsradikale, Verschwörungstheoretiker, Trump Freunde. Die immer wieder die Frage stellten, warum Frauen überhaupt zum College gehen sollten. Die amerikanische Frau auf diesem Photo stellt sich diese Frage offensichtlich auch. Ich stelle das Photo am Weltfrauentag einmal ein, es lädt zum Nachdenken ein. Von meinem Volker habe ich den schönen Satz If you think education is expensive, try ignorance, den habe ich schon einmal in einem Post über eine deutsche Kultusministerin zitiert. Man kann ihn immer wieder gebrauchen.

Freitag, 18. Februar 2022

Attentat

 Sie werden wahrscheinlich Gisi Gruber nicht kennen, die den schönen Roman Margit Libenyi: Der Roman einer großen Liebe geschrieben hat. Und wahrscheinlich werden Sie auch nicht wissen, wer Margit Libenyi war. Den 1951 erschienenen Roman kann man heute noch antiquarisch finden, er hat mich (Hardcover, 288 Seiten) drei Euro gekostet. Margit Libenyi ist ein Liebesroman, die Geschichte einer jungen Frau, die aus einem Dorf in Ungarn nach Wien kommt und ins Showgeschäft will. Und die einen aristokratischen Geliebten findet, der ihr die Tanzausbildung bezahlt. Wenn heute hübsche Frauen aus Ungarn kommen, dann gehen sie nicht nach Wien, dann gehen sie in die Pornoindustrie, nennen sich Anita Dark, Anita Blond oder Nikky Anderson. Aber das ist eine andere Geschichte. Mit dem Roman von Gisi Gruber sind wir in einem anderen Jahrhundert. Da sind wir in der Welt von Joseph Roth und dem Roman Radetzkymarsch (für den es hier schon den Post Radetzkymarsch gibt), wo der junge Leutnant Trotta seinem Kaiser in der Schlacht von Solferino das Leben rettet.


Und um diesen Kaiser geht es. Denn der Geliebte der Margit Libenyi ist niemand anderer als Franz Joseph, der sich 1853 mit Sissi verloben wird. Die ist erst fünfzehn Jahre alt, sie wird später an ihre Tochter schreiben: Die Ehe ist eine widersinnige Einrichtung. Als fünfzehnjähriges Kind wird man verkauft und tut einen Schwur, den man nicht versteht und dann 30 Jahre oder länger bereut und nicht mehr lösen kann. Wir wissen, dass der Kaiser Franz Joseph, als er sich von seiner Gattin entfremdet hatte und sie auf Korfu in ihrem Achilleion lebt, zahlreiche Geliebte gehabt hat. Man kennt deren Namen, aber den Namen Margit Libenyi kennen Historiker nicht. 

Am 18. Februar 1853 gibt es in Wien ein Attentat. Ein ungarischer Schneidergeselle aus Csákvár namens János Libenyi hat versucht, den österreichischen Kaiser zu ermorden. Wir sehen ihn hier mit einem Messer in der Hand. Er wird an seiner Tat von dem Adjutanten des Kaisers, Graf O’Donnell von Tyrconell, und dem Rentier Josef Ettenreich gehindert. Der Schneidergeselle, der keine Begründung für seine Tat angibt, wird acht Tage später gehängt. War er ein ungarischer Freiheitskämpfer? In einem Verhörprotokoll steht: Ich mußte sehen, daß meine Landsleute aufgehängt und erschossen und scharenweise auf die Festung verurteilt worden sind, und daß alle Freiheit im Lande verschwunden ist. Diesen Zustand konnte ich nicht ertragen. Aber das ist nicht seine Sprache, wer immer das geschrieben hat. Fünfzigtausend Menschen werden im Schneetreiben zu der Hinrichtung kommen. Irgendwann taucht nach seinem Tod das Gerücht auf, dass er der Bruder von Margit Libenyi gewesen sei, dass er die Ehre der Familie habe wiederherstellen wollen, indem er ihren Liebhaber, den jungen Kaiser, tötet.
 
Monate vor dem Attentat war Kaiser Franz Joseph während eines Praterbesuchs ein Mädchen aufgefallen, das vor einer Schaubude stand und die neugierigen Blicke des jungen Monarchen heftig erwiderte. Um ihn noch mehr für sich zu interessieren, brachte es ihm eine temperamentvolle Csardas-Einlage dar. Der Kaiser erfuhr, daß es eine Nichte der Budenbesitzerin, einer gewissen Frau Danzinger, war, Margit Libényi hieße und aus dem ungarischen Dorf Czakvar stamme. Im Laufe einer folgenden Bekanntschaft soll ihr Kaiser Franz Joseph auch eine Ausbildung als Tänzerin bezahlt haben. Margit Libenyi nennt sich danach Mizzi Langer, wird Mitglied des kaiserlichen Hofopernballetts und singt in der Oper. Angeblich. Und taucht 1951 in dem Roman von Gisi Gruber auf. Franz Joseph wird das Attentat übrigens ohne größere Verletzungen überstehen. Für die glückliche Rettung Seiner Majestät wird am Nachmittag in der St Stephanskirche das Te Deum abgehalten. An der Stelle des Attentats wird die Wiener Votivkirche gebaut werden.

Gisi (Gisela) Grubers Roman über die ungarische Tänzerin Margit Libenyi war zuerst 1946 als Novelle unter dem Titel Ein Mädchen geht in die Stadt in dem Sammelband Rendezvous in Schönbrunn: Sieben Altwiener Novellen erschienen. Gruber griff nur etwas auf, was in Wien seit 1853 erzählt und in neuen Varianten immer wieder aufgetischt worden ist. In schriftlicher Form zuerst 1924 in Der Wiener Pitaval des Oberpolizeirats a.D. Ubald Tartaruga (Edmund Otto Ehrenfreund), der die Geschichte aus dem Budapester Neuen Politischen Volksblatt hat. Wir können die Geschichte noch achtzig Jahre später bei Gabriele Praschl-Bichler in einem stilistisch unausstehlichen Buch mit dem Titel Kaiser Franz Joseph ganz privat lesen: Der Ruf der Ungarin als Kaiserliebchen war bis in ihr Heimatdorf gedrungen und soll dort viel für Aufruhr unter der Bevölkerung veursacht haben. Die Bitten ihres Bruders, János Libényi, sie möge sich vom Kaiser lossagen, blieben unbeantwortet, und so faßte der 'Entehrte' den Entschluß, die Schuld der Schwester durch ein Attentat auf den Kaiser zu sühnen. Wir finden die Geschichte ebenso bei Anni Stern-Braunberg in Sissi, das Ungarmädel: Tatsachen, Irrtümer, Vermutungen, bei Sigrid-Maria Größing in Franz Joseph und seine Familie: Ein Kaiser blickt zurück und bei Walter Brendel in Das Liebesleben der Habsburger. Da schreibt einer vom anderen die Geschichte ab, und schmückt sie aus: deine schimmernden schwarzen Haare sind wie Rabenflügel, und deine weißen Zähne wie Perlen ... So schmale Hände und Füße hat keine in Wien, und keine schreitet so schön und stolz. Komm' nach Wien, Margit, kleine Pußtablume, man wird dich dort in Gold aufwiegen. Komm' zu mir, und ich will dich in knisternde Seide kleiden, du mußt nie mehr zu Fuß gehen, du wirst im Wagen fahren und schöner sein als die Schönste.

Dann lesen wir doch lieber den Roman von Gisi Gruber als so etwas. Gruber schreibt nicht nur unter ihrem Namen diese Herzschmerz Schmonzetten, sie schreibt auch noch unter den Pseudonymen Barbara Maria Alsegger und Jules Charpentier. Als Barbara Maria Alsegger hat sie 1942 großen Erfolg mit ihrem Roman Mein vielgeliebter Mann. Der allerdings nichts als ein Plagiat von Dinah Nelkens Roman Ich an Dich war. Gruber alias Alsegger wurde 1948 zu einer hohen Geldstrafe verurteilt. Mehr Erfolg hatte Gisi Gruber mit ihren Krimis, die sie unter dem Pseudonym Jules Charpentier schrieb, von denen einer sogar verfilmt wurde.

Das Bild von Johann Joseph Reiner, unter dem wir lesen können: Franz Josef I., Kaiser v. Österreich, wurde am 18. Febr. 1853, durch Meuchlers Hand am Hinterhaupte verwundet. Durch die göttliche Vorsehung wurde es aber dem Obersten Grafen O’Donell, Flügeladjutant S.M. und Jos. Ettenreich, Bürger v. Wien ermöglicht, das geheiligte Haupt des Kaisers vom gewissen Tode zu erretten. Gott dankend, widmet dieses Bild, Ferdinand Braunsteiner, gehört zur Geschichte Österreichs. Es war hier im Blog schon in dem Post Bilder vom Tage zu sehen, dort gibt es auch eine andere Fassung des originalen Votivbildes. Aber Margit Libenyi: Der Roman einer großen Liebe wird da nicht erwähnt. Und wir müssen uns leider damit abfinden, dass es die kleine Pußtablume, deren Ehre der Attentäter wieder herstellen will, überhaupt nicht gegeben hat: Trotzdem schwindet bei näherem Besehen die Glaubwürdigkeit der Familienehren-Version: Es gibt keine Schwester Margit Libényi, in ganz Csákvár kommt auch bei anderen Familien namens Libényi der Vorname Margit nicht vor.

Sonntag, 30. Januar 2022

Dorothy Malone (once again)

Die amerikanische Schauspielerin Dorothy Malone wurde am 30. Januar 1924 geboren. Sie hatte am 30. Januar 2013 schon einen Post in diesem Blog, den stelle ich heute noch einmal in leicht überarbeiteter Form ein. Es ist nicht ganz dasselbe, es steht schon etwas mehr drin. Ich schreibe zur Zeit an mehreren Dingen, aber ich verheddere mich, nix ist fertig. Ich schreibe über die bunten Duchamp Hemden, wie ich das in style mixed angedeutet habe, aber ich beginne nicht 1989 im Jahre der Firmengründung von Duchamp, sondern 1870. Weil da zum ersten Mal die bunten Streifen, die sogenannten regatta stripes, auf den Hemden der englischen Gentlemen auftauchen. Das kann wieder lang werden. 

Das Cover von den Cahiers du Cinéma aus dem März 1958 täuscht darüber hinweg, dass überhaupt nichts über Dorothy Malone in dem Heft steht. Außer: Dorothy Malone et Rock Hudson sont, aux côtés de Robert Stack, les vedettes du film Universal en Cinéma-Scope 'La ronde de l’aube', tiré du célèbre roman de William Faulkner,  'Pylône' (édité en français par Gallimard). Avec le metteur en scène Douglas Sirk et le producteur Albert Zugsmith se trouve ainsi reconstituée l'équipe qui fit le succès de 'Ecrit sur du vent', pour lequel on avait décerné un Oscar à Dorothy Malone. Ein wenig mehr weiß man in Frankreich schon über Douglas Sirk und Dorothy Malone. François Truffaut wird über Written in the Wind schreiben, und Godard wird uns 1959 in den Cahiers du Cinéma versichern, dass wir es bei Sirk mit einem auteur zu tun haben. Die Auteur-Theorie ist damals eine große und wichtige Sache der Filmkritik.

Der Hamburger Hans Detlef Sierck, der sich nach seiner Emigration in die USA Douglas Sirk nannte, hatte ein Händchen dafür, Filmschauspielerinnen zu entdecken, sie zu förden, und sie plakativ ins Bild zu setzen. Ohne ihn hätte Zarah Leander nicht diesen Erfolg gehabt, den sie mit Zu neuen Ufern und La Habanera hatte. Barbara Stanwyck und Jane Wyman werden in seinen Filmen ihre besten Rollen haben. Und Dorothy Malone wird so gut wie nie zuvor in seinen Filmen sein. An agent kept calling me that there is a director from Europe who wants you and only you. He was every woman’s dream of a director. He was very Prussian, wore a scarf, and maybe he even had a walking stick. If he liked you, he was so much fun. I found him utterly charming. But it must have been terrible if he didn’t like you, hat sie über ihn gesagt.

Am Beginn ihrer Karriere war Dorothy Malone eine von vielen Schönheiten, die Hollywood auf der Leinwand präsentierte. Obgleich sie in The Big Sleep in ihrer ersten Sprechrolle schon Lauren Bacall die Show stahl. Aber dann legte sie das Image des All American Girl, des netten Mädchens von nebenan, ab. So wie sie in The Big Sleep die Brille abnimmt und in Handumdrehen von der kleinen Brillenschlange im Buchladen zum Vamp mutiert. Jetzt spielt sie verruchte Frauen, also soweit Hollywood verruchte Frauen erlaubt. Die haben in den fünfziger Jahren nicht mehr einen solchen Höhepunkt, wie sie ihn im Film Noir hatten, als es nur noch good-bad girls und femmes fatales zu geben schien. Rita Hayworth in Gilda wird unvergessen bleiben.

Zehn Jahre nach The Big Sleep entdeckte Douglas Sirk Dorothy Malone und gab ihr eine gewagte Rolle als frustrierte Nymphomanin in Written on the Wind. Was ihr sogleich einen Oscar einbrachte. Lauren Bacall nicht, obgleich die die Hauptrolle spielte. Das war das zweite Mal, dass Dorothy Malone der Bacall die Show stahl. Ich weiß nicht, ob die beiden jemals Freundinnen geworden sind. Unsere Sympathien (und die der Motion Picture Academy) sind natürlich auf der Seite von Dorothy.

Ich liebe sie wie selten einen Menschen im Kino, hat Rainer Werner Fassbinder gesagt. Denn wir lieben die verruchte Dorothy Malone und können deshalb die edle Lauren Bacall nicht ausstehen. Oder, wie Fassbinder es formulierte: Statt dass sie (Lauren Bacall) mit ihm (Robert Stack) saufen ginge, was begriffe von seinem Schmerz, wird sie immer edler und reiner und immer mehr zum Kotzen, und immer deutlicher sieht man, wie sehr sie eigentlich zu Rock Hudson passen würde, der auch zum kotzen ist und auch edel. Irgendwie hat Fassbinder diesen Film instinktiv begriffen - was natürlich niemanden wundert, weil Douglas Sirk für ihn ein großes Vorbild ist. Written on the Wind ist ein Melodrama in den kitschigsten Farben, die Technicolor zu bieten hatte. 

Wenn Lauren Bacall mit Robert Stack gelebt hätte, statt neben, von ihm und für ihn zu leben, dann hätte er auch glauben können, dass das Kind, das sie kriegt, auch wirklich das seine ist. Er hätte nicht zu stöhnen brauchen. So aber ist sein Kind im Grunde wirklich eher eins von Rock Hudson, obwohl der es nie mit Lauren getrieben hat. Dorothy macht etwas Böses, sie hetzt ihren Bruder auf gegen Lauren und Rock. Trotzdem liebe ich sie wie selten einen Menschen im Kino, ich bin als Zuschauer mit Douglas Sirk auf den Spuren der Verzweiflung der Menschen. In 'Written on the Wind' ist das Gute, das 'Normale', das 'Schöne' immer sehr eklig, das Böse, das Schwache, das Haltlose öffnet das Verständnis. In diesem Haus, das Sirk sich hat für die Hedleys bauen lassen, da müssen die Gefühle die seltsamsten Blüten treiben.

Das Licht bei Sirk ist immer so unnaturalistisch wie möglich. Schatten, wo keine sein dürften, helfen, Empfindungen plausibel zu machen, die man sich gern fremd halten möchte. Genauso die Einstellungen in 'Written on the Wind', fast nur schräge, meist von unten, so ausgesucht, dass das Fremde an der Geschichte nicht im Kopf des Zuschauers passiert, sondern auf der Leinwand. Douglas Sirks Filme befreien den Kopf. Er hat auch noch gesagt: Sirk hat gesagt, man kann nicht Filme über etwas machen, man kann nur Filme mit etwas machen, mit Menschen, mit Licht, mit Blumen, mit Spiegeln, mit Blut, eben mit all diesen wahnsinnigen Sachen, für die es sich lohnt. Sirk hat außerdem gesagt, das Licht und die Einstellung, das ist die Philosophie des Regisseurs.

Written on the Wind ist, wie so vieles bei Douglas Sirk, Kitsch. Er drehe women's weepies haben seine Kritiker gesagt. Wim Wenders hat ihn den Dante der Soap Operas genannt. Es ist ein im höchsten Maße artifizieller Kitsch - wahrscheinlich war es das, was Fassbinder so anzog. Er hat auch nette Dinge über The Tarnished Angels (deutsch: Duell in den Wolken) gesagt. Ein Film über das Scheitern, wie Written on the Wind - von einem passionate interest in failure hatte er in seinem Interview gesprochen, das Jon Halliday als Sirk on Sirk veröffentlicht hat. Sirk ist der Regisseur, der uns in opulenten Melodramen immer wieder zeigt, dass es kein richtiges Leben im falschen gibt. Und natürlich befreien seine Filme den Kopf.

Bosley Crowther von der New York Times konnte dem Film nichts abgewinnen, er schrieb über ihn, er sei badly, cheaply written by George Zuckerman and is abominably played by a hand-picked cast. The sentiments are inflated — blown out of all proportions to the values involved. And the acting, under Douglas Sirk's direction, is elaborate and absurd. Doch in einer neueren Rezension in derselben Zeitung schreibt sein Kollege Dave Kehr: 'The Tarnished Angels' is among Sirk’s most self-conscious and artistically ambitious creations.... This is bravura filmmaking in the service of a haunting vision. Yet there are moments of almost microscopic subtlety: the camera movement that expresses the moral reversal of the Hudson and Stack characters, one growing larger than the other; the infinite tenderness with which Hudson strokes Ms. Malone’s hair, helplessly trying to comfort her after a shock.

Es gibt wenige Filme, die die Kritiker derart entzweien. Ich lasse jetzt mal Pauline Kaels Satz 'The Tarnished Angels' is the kind of bad movie that you know is bad—and yet you’re held by the mixture of polished style and quasi-melodramatics achieved by the director, Douglas Sirk beiseite. William Faulkner, dessen Roman Pylon hier zwanzig Jahre später verfilmt wurde, mochte das Drehbuch nicht (er hatte auch das Angebot, das Drehbuch selbst zu schreiben, abgelehnt). Doch er mochte das Endergebnis: Thought it was pretty good, quite honest. Fügte dem aber hinzu: But I'll have to admit I didn't recognize anything I put into it. Und trotz dieser netten Ironie war er der Meinung, dass dies die gelungenste Verfilmung eines seiner Romane sei.

Frederick Karl wußte in seiner Faulkner Biographie über den Film nur zu sagen: the film was undercut from the start by the miscasting of Dorothy Malone in the role of Laverne. Malone was a fine actress, but the quality of Laverne could perhaps only be caught by someone with an outlaw dimension like Joan Crawford or Barbara Stanwyck. Wahrscheinlich ist Frederick Karl in den vierziger Jahren zum letzten Mal im Kino gewesen, das Beste an seiner 1.100-seitigen Faulkner Biographie ist, dass sie sich als Türstopper eignet. Wenn Sie eine gute Faulkner Biographie lesen wollen, dann lesen Sie Joseph Blotner Faulkner: A BiographyPeter Nicolaisen William Faulkner in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten oder Stephen B. Oates William Faulkner. Sein Leben, sein Werk.

The Tarnished Angels soll (wie der Roman Pylon) in den dreißiger Jahren spielen, doch die dreißiger Jahre sehen hier sehr wie die fünfziger Jahre aus. Auch wenn der Film nicht in den grauenhaften Technicolor Farben gedreht worden ist, über die Frieda Grafe sagte: Die Farben nehmen einen an der Hand. Sie sind der verbindende rote Faden zwischen den Personen. Durch sie dringt etwas in die Menschen ein, das erst nach und nach sich zu Gefühlen konkretisiert. Den Film in Schwarzweiß zu drehen war keine künstlerische Entscheidung von Sirk, Universal hatte kein Vertrauen auf einen kommerziellen Erfolg und spendierte dem Regisseur nur das billigere Schwarzweißfilmmaterial.

Dieser Schwarzweißfilm bemüht sich nicht, sich an der Photographie der FSA Photographen der dreißiger Jahre zu orientieren, ist niemals körnig, dunkel, schmutzig. Dies ist nicht the real thing. Dies ist wie ein Filmtitel von Sirk: Imitation of Life. Eine high key Ausleuchtung im fifties style, wie Universal es gerne haben möchte. Nichts mehr mit Film Noir. Es ist der Stil der Zeit. Wäre Cat on a Hot Tin Roof in Schwarzweiß gedreht, würde er genauso aussehen. Dazu zerstört das neue Cinemascope Format jede Möglichkeit - die John Ford bei der Verfilmung von Steinbecks The Grapes of Wrath noch hatte - der Simulation eines Films der dreißiger Jahre. Jedes Bild ist bis in die Ecken durchkomponiert, hat er das an der Universität Hamburg bei Panofsky gelernt? Another influence on me was Erwin Panofsky, later the great art historian, under whom I studied. I was one of the select in his seminar, and for him I wrote a large essay on the relations between medieval German painting and the miracle plays. I owe Panofsky a lot.

Douglas Sirk dreht Written in the Wind ein Jahr später noch einmal. Dieselben Darsteller (Dorothy Malone, Rock Hudson, Robert Stack), aber ein besseres Buch (in 'Written on the Wind', the whole story is artificial), und natürlich wieder ein Melodrama. Andrew Sarris (ein Kritiker, dem man mehr Vertrauen schenken kann als Bosley Crowther) hat das sehr schön formuliert: Even in most dubious projects, Sirk never shrinks away from the ridiculous, but by a full-bodied formal development, his art transcends the ridiculous, as form comments on content. Und 'Written on the Wind' and 'Tarnished Angels' become more impressive with each passing year. Die deutsche Filmkritikerin Frieda Grafe hat die Wirkung der Sirkschen Melodramen plakativ mit Entweder heult man, oder man kotzt beschrieben.

Jetzt pumpt er Faulkners Pylon voll mit Melodrama und Sentimentalität. Seit er in den dreißiger Jahren das Buch gelesen hatte, wollte er es verfilmen. Und das Melodrama ist für ihn die einzige Möglichkeit, das amerikanische Publikum einzufangen: As a theater man, I had to deal with high art. I would play farces and comedy to make money, and classics for the elite. But we were trying to escape the elitaire. So slowly in my mind formed the idea of melodrama, a form I found to perfection in American pictures. They were naive, they were that something completely different. They were completely artless. This tied in with my studies of the Elizabethan period, where you had both l'art pour I'art and you had Shakespeare. He was a melodramatist, infusing all those silly melodramas with style, with signs and meanings. There is a tremendous similarity between this and the Hollywood system — which then I knew from only far away. Shakespeare had to be a commercial producer.

Dorothy Malone, die in gewissem Sinne William Faulkner ihre Karriere verdankt - er hatte das Drehbuch zu Chandlers The Big Sleep geschrieben - bedankt sich jetzt bei Faulkner. Gibt ihm durch ihre schauspielerische Leistung ein wenig Dank zurück. Spielt die LaVerne Shuman mit der abgebrühten toughness der Great Depression, und gleichzeitig ist sie so zart und zerbrechlich. So gut wie in den Filmen von Douglas Sirk ist sie nie wieder gewesen (obgleich man sie in dem Western Warlock, der Fernsehserie Peyton Place und bei ihrem Kurzauftritt in Basic Instinct gerne gesehen hat): Then there is Ms. Malone, who won a supporting actress Oscar for her work in 'Written on the Wind' but gives the true performance of her career here as an angelic figure dressed in white and lighted with searing brightness by Sirk. Her large, pale eyes convey reserves of sadness and experience that the Hudson character will never know (Dave Kehr).

Dorothy Malone hatte noch Erfolg in der Serie Peyton Place, wo sie die Rolle spielte, die Lana Turner in der Kinoversion von Peyton Place hatte. Die Rolle von Miss Ellie Ewing in Dallas lehnte sie ab. Als Malone neben Sharon Stone in Basic Instrinct erschien, lagen ihre großen Erfolge schon Jahrzehnte zurück, aber ganz vergessen war sie nie. Sie ist am 19. Januar 2018, zehn Tage vor ihrem vierundneunzigsten Geburtstag, gestorben. Aber sie lebt weiter in ihren Filmen. Die große Douglas Sirk Collection mit sieben DVDs kostet bei Amazon 35,81 €, der Kauf lohnt sich auf jeden Fall. Wenn Sie Dorothy Malone singen hören wollen, klicken Sie hier. Und ganz, ganz viele Bilder von Dorothy Malone finden Sie hier und hier. Den Film The Tarnished Angels gibt es hier natürlich auch.