Im Jahre 1907 hat Marie Bonaparte einen Prinzen geheiratet. Der kommt aus einem Land, das gerade den Staatsbankrott erklärt hat. Der Bankrott wird mit den Worten von den lieben, nie zahlenden Griechen in Fontanes Stechlin erwähnt. Der Prinz hat kein Geld, aber einen Titel. Das Geld hat sie. Nicht aus der Familie ihres Urgroßonkels Napoleon, das Geld kommt vom Opa mütterlicherseits, der die Spielbank von Monte Carlo gegründet hat. Die Prinzessin ist nicht nur Freuds Patientin, sie ist auch seine Schülerin und wird selbst Psychoanalytikerin werden. Und sie interessiert sich für Mörder. Unter dem Einfluss des Soziologen Gustav Le Bon besucht sie Mordprozesse und schreibt Bücher wie ➽Der Fall Lefebvre: Zur Psychoanalyse einer Mörderin.
Samstag, 2. Juli 2022
Freuds Prinzessin
Im Jahre 1907 hat Marie Bonaparte einen Prinzen geheiratet. Der kommt aus einem Land, das gerade den Staatsbankrott erklärt hat. Der Bankrott wird mit den Worten von den lieben, nie zahlenden Griechen in Fontanes Stechlin erwähnt. Der Prinz hat kein Geld, aber einen Titel. Das Geld hat sie. Nicht aus der Familie ihres Urgroßonkels Napoleon, das Geld kommt vom Opa mütterlicherseits, der die Spielbank von Monte Carlo gegründet hat. Die Prinzessin ist nicht nur Freuds Patientin, sie ist auch seine Schülerin und wird selbst Psychoanalytikerin werden. Und sie interessiert sich für Mörder. Unter dem Einfluss des Soziologen Gustav Le Bon besucht sie Mordprozesse und schreibt Bücher wie ➽Der Fall Lefebvre: Zur Psychoanalyse einer Mörderin.
ce n'est jamais fini
In dem Post Print on Demand hatte ich darüber geschrieben, wie ích mir bei einem Print on Demand Verlag ein kleines Buch gebastelt habe. Das Dutzend Exemplare von souvenirs et regrets war schnell an Freunde verschenkt. Es gab Kritik und Anregungen, viele der Beschenkten kannten die Frau, von der diese drei Schnappschüsse die Rückseite zierten. Ich nahm alle Kritik zur Kenntnis, aber ich befolgte erst einmal Montaignes Satz j'adjouste, mais je ne corrige pas. Kaum war das Ganze gedruckt, da überlegte ich mir, ob man das nicht noch besser machen könnte. Man hört ja nie auf zu schreiben, ich auf jeden Fall nicht. Es ist zu verlockend, etwas zu ergänzen. Das Desktop Publishing verführt dazu. Ich hatte die vier Geschichten von der schönen Buchhändlerin in den zusammengeschnipselten Roman eingefügt, und da sollten noch kleine Deails hinein, um der Heldin noch ein klein wenig mehr Eigenleben zu geben. Kleine Sätze wie: Sie hatte damals nicht nur den R4 behalten, sie hatte auch noch ein halbes Dutzend von seinen großen hellblauen Hemden. Als er ihr einmal nachts sagte, sie könne nicht immer nachts nackt in seiner Wohnung herumlaufen, hatte sie eins der Hemden angezogen. 'Das ist nun noch nackter als vorher', sagte er. Das fand sie auch, deshalb klaute sie ihm die Hemden und trug sie zuhause. Immer nackt.
Der Lektüre von Anna Karenina verdankte ich den Satz il ne faut jamais rien outrer, den ich meiner Buchhändlerin in den Mund legte. Immer, wenn ich mich ein wenig langweilte und nicht gerade das ebay das Angebot von italienischen Hemden durchforschte, holte ich das Manuskript aus der Ablage und schrieb ein bisschen darin herum. Der Text sollte nicht länger werden als achtzig bis neunzig Seiten, wenn etwas dazu kam, flog an anderer Stelle etwas heraus. Nun habe ich das überarbeitete Manuskript, was soll ich damit machen? Wieder liegenlassen? Wieder umschreiben? Ich stelle heute zum Pfingstfest einmal das neue Vorwort in den Blog und wünsche Ihnen ein frohes Pfingstfest. Was dann mit dem Text wird, wird man sehen, da lasse ich erstmal Doris Day Que sera, sera singen.
deuxième édition
Auch wenn ich, wie Urs Widmer das so schön gesagt hat, ein Erinnerungselephant bin, der Kopf blieb leer. Ich machte mir keine Sorgen, ich schrieb nicht unter Zeitdruck. Irgendwann kommt alles wieder. Dann sah ich bei arte den wunderbaren Film Un dimanche à la campagne von Bertrand Tavernier. Den besitze ich zwar auf einer DVD, und die Romanvorlage Monsieur Ladmiral Va Bientot Mourir von Pierre Bost habe ich auch gelesen, aber ich schaute mir den Film noch einmal an. Weil ich den anrührenden Schluss sehen wollte, wo der alte Monsieur Ladmiral eine neue Leinwand auf die Staffelei stellt, und die Kamera durch die Balkontür in den Park hinausfährt. Und wir wissen, er wird jetzt dieses Bild malen, das er immer malen wollte. Oder sterben. Als die bezaubernde Sabine Azéma zum erstenmal im Film erschien, fragte ich mich, warum die eigentlich nie in einem Film von François Truffaut war. Und in dem Augenblick machte es in meinem Gehirn klick, und eine Stimme, die nur ich hören konnte, sagte: Baisers volés.
Das war es, ich hatte das Chanson gefunden. Am Anfang von Truffauts Film Baisers Volés wird es von Charles Trenet gesungen, der den Text auch geschrieben hat. Seine erste Aufnahme zu dem Lied, das Léo Chauliac komponiert hatte, stammt aus dem Jahre 1942. Chauliac begleitete Trenet damals bei seinen Auftritten am Klavier, und gemeinsam schrieben sie Trenets größten Erfolg La mer. Aus Trenets Chanson Que reste-t-il de nos amours brauchte ich nur den Refrain:
Que reste-t-il de nos amours
Que reste-t-il de ces beaux jours
Une photo, vieille photo
De ma jeunesse
Que reste-t-il des billets doux
Des mois d' avril, des rendez-vous
Un souvenir qui me poursuit
Sans cesse
Bonheur fané, cheveux au vent
Baisers volés, rêves mouvants
Que reste-t-il de tout cela
Dites-le-moi
Trenet genügten zwölf Zeilen, um nostalgisch das Liebesleid zu beschreiben. Ich brauchte für meine Liebesgeschichte über diese Frau, die ich Ingrid genannt hatte, viel mehr. Bevor die Geschichte in einem kleinen Print on Demand Verlag gedruckt wurde, schickte ich sie erst einmal an einige Testleser, das hatte ich immer so gemacht, old men forget. Als ich meine Autobiographie zu schreiben begann, hatte ich beschlossen, Freunde und Bekannte von Anfang an zu beteiligen. Und vielleicht auch ein wenig auszubeuten. Aber nur ein klein wenig. Hätte ich all das gesammelt, was sie mir schrieben (und häufig waren ihre Erinnerungen viel genauer und schöner als meine), hätte ich ein zweites Buch fertig. Mein Text hatte bei vielen einen mäeutischen Effekt, wie Peter das nannte. Viele meiner Testleser begannen, über ihr eigenes Leben nachzudenken und darüber zu schreiben, memory hold-the-door.
Und dann kamen noch Briefe von ihr in den Text, da ich gerade beim Aufräumen all ihre Briefe in einer Kommodenschublade wiedergefunden hatte. Schöne Briefe, immer mit blauer Tinte auf grauem Papier geschrieben, sie hatte offenbar keine Schwierigkeiten mit dem Füllfederhalter. Ich komme damit nie zurecht, ich besitze mehrere Pelikan Füller, aber sie hassen mich, ob sie eine Goldfeder haben oder nicht. Ich tippte jetzt einzelne Briefstellen in das Ganze, die schöne Frau sollte ja auch zu Wort kommen. Einmal hat sie Goethe ins Französische übersetzt: Seul celui qui connaît la nostalgie, sait ce que j'endure. Solitaire et sevrée de toute joie. Je regarde le firmament De l'autre côté. Ah ! qui m'aime et me connaît, Est dans l'immensité. Sie schreibt einen ironischen Satz dazu, aber ich weiß, dass sie das mit der Einsamkeit und der Sehnsucht todernst meint.
Auch wenn Sie damals irgendwo in Frankreich war, wir sind uns nah. Sie schreibt immer wieder, mit Anreden wie Mon tendre ami und Mon Amour. Der kürzeste Brief, den ich von ihr bekomme, enthält nur zwei Sätze und den Teil eines Gedichts: Es ist so schwer, Dir zu sagen, daß ich Dich liebe. Ich habe es noch nie getan. Liebe muss rein in eine Liebesgeschichte, den Sex lassen wir mal aus. Dafür habe ich mein Kunstgeschöpf, die schöne Buchhändlerin. Die darf nackt unter der Dusche L'amour est un oiseau rebelle Que nul ne peut apprivoiser singen. Und andere Sachen machen, die Geschichten mit ihr sind noch nicht zuende, ich schreibe gerade wieder an einer. Man schreibt immer an irgendwas. Warum nicht über Frauen?
Ein Freund sagte mir nach der Lektüre der ersten Version von souvenirs et regrets, es sei zwar glänzend geschrieben, aber es hätte eine sehr seltsame Form, und er vermisse die Seitenzahlen. Seitenzahlen hatte ich vergessen, ein Vorsatzblatt auch. Dafür entschuldige ich mich schon mal. Dies alles sind Schnipsel eines Lebensfilms, dessen Regisseur ich nicht war, ich füge nur die Filmschnipsel zusammen. Weil ich eben kein richtiger Romanautor bin, weil mir der epische Atem fehlt, das habe ich schon in romancier manqué gesagt, einem Post, der direkt in diesen Text gewandert ist. Aber vielleicht ist die schnipselige Struktur schon angebracht, sagt uns doch Montaigne: Wir sind alle aus Flicken zusammengesetzt und das so ungestalt und kunterbunt, dass jedes Stück jeden Augenblick ein eigenes Spiel treibt.
Jetzt bin ich am Überarbeiten, nur für mich und ein paar andere, die happy few. Und natürlich für sie, wieder zum Geburtstag. Oder zu Weihnachten. Ich bin noch nicht zufrieden mit dem Text, man ist nie zufrieden mit dem Text. Ich will auch unter hundert Seiten bleiben. Ich feile und poliere, aber schnipselig bleibt es immer noch. Noch kann ich Montaignes Satz J'ay faict ce que j'ay voulu: tout le monde me recognoist en mon livre, et mon livre en moy nicht unter das Ganze schreiben.
Ich wäre nie auf die Idee gekommen, dieses kleine Buch zu machen. Aber der Georg, der uns allen Cricket beigebracht hat (was Ingrid überhaupt nicht gefiel: Gott, ist das langweilig, wir hätten lieber zum Strand fahren sollen), und der jeden Tag alle Tippfehler aus meinem Blog herauskorrigiert, hat mir gesagt, ich würde soviel über Frauen schreiben, damit könnte ich schon einen eigenen Blog füllen. Habe ich sofort getan, der neue Blog, in dem Malerinnen, Schriftstellerinnen und Schauspielerinnen versammelt sind, heißt femmes, ist eigentlich sehr schön, wird aber kaum gelesen. Georg hatte das allerdings gar nicht so gemeint, wie mir später klar wurde; er hatte gemeint, dass es für alle diese Posts über die Frau, die ich Ingrid genannt hatte, eigentlich einen Blog geben müsste.
Wie immer sie wirklich heißt. Die Photos von ihr im Netz habe ich am Computer verändert, und vielleicht ist das, was ich schreibe, auch nur eine Adobe Photoshop Fälschung. Ist es wahr, dass die Vergangenheit nur das photographische Negativ ist, das in der Gegenwart entwickelt wird? Ich habe schon vor Jahrzehnten in meinem kleinen Photolabor im Keller gelernt, dass man mit Photographien viel machen kann. Dass man mit Wörtern viel machen kann, lernte ich beim Schreiben von Liebesbriefen. Was ich jetzt schreibe, ist auch une photo, vieille photo de ma jeunesse. Und ihrer jeunesse auch.
In dem Augenblick, als ich merkte, dass der Georg etwas ganz anderes gemeint hatte als den Blog femmes, rief mich mein Freund Yogi aus den USA an und sagte mir, er hätte da eine tolle Idee. Man könnte aus den vielen kleinen Ingrid Posts im Internet einen kleinen Roman machen, er würde den auch verlegen. Er hätte auch schon Ideen, wie der Roman anfangen sollte. Ich sagte, ich würde es mir überlegen. Ich hasse es, wenn andere für mich Ideen haben, auch wenn es gute Ideen sind. Ich schlief unruhig in der Nacht, aber ich hatte keine Albträume. Am nächsten Morgen guckte ich mir an, was ich in den letzten zehn Jahren über die Frau geschrieben hatte. Dann stopfte ich mir eine Pfeife und fing mit dem cannibalizing an. Und dann stellte ich die Strophe aus dem Chanson von Charles Trenet vor das Ganze. Denn alles, was ich schreiben wollte, steht schon hier. Es ist doch immer dieselbe Geschichte.
Happy Birthday, Prunella Scales
Sonntag, 29. Mai 2022
Die Prinzessin von Sibirien
Mittwoch, 9. März 2022
all you need
Freitag, 18. Februar 2022
Attentat
Sie werden wahrscheinlich Gisi Gruber nicht kennen, die den schönen Roman Margit Libenyi: Der Roman einer großen Liebe geschrieben hat. Und wahrscheinlich werden Sie auch nicht wissen, wer Margit Libenyi war. Den 1951 erschienenen Roman kann man heute noch antiquarisch finden, er hat mich (Hardcover, 288 Seiten) drei Euro gekostet. Margit Libenyi ist ein Liebesroman, die Geschichte einer jungen Frau, die aus einem Dorf in Ungarn nach Wien kommt und ins Showgeschäft will. Und die einen aristokratischen Geliebten findet, der ihr die Tanzausbildung bezahlt. Wenn heute hübsche Frauen aus Ungarn kommen, dann gehen sie nicht nach Wien, dann gehen sie in die Pornoindustrie, nennen sich Anita Dark, Anita Blond oder Nikky Anderson. Aber das ist eine andere Geschichte. Mit dem Roman von Gisi Gruber sind wir in einem anderen Jahrhundert. Da sind wir in der Welt von Joseph Roth und dem Roman Radetzkymarsch (für den es hier schon den Post Radetzkymarsch gibt), wo der junge Leutnant Trotta seinem Kaiser in der Schlacht von Solferino das Leben rettet.
Sonntag, 30. Januar 2022
Dorothy Malone (once again)
Am Beginn ihrer Karriere war Dorothy Malone eine von vielen Schönheiten, die Hollywood auf der Leinwand präsentierte. Obgleich sie in The Big Sleep in ihrer ersten Sprechrolle schon Lauren Bacall die Show stahl. Aber dann legte sie das Image des All American Girl, des netten Mädchens von nebenan, ab. So wie sie in The Big Sleep die Brille abnimmt und in Handumdrehen von der kleinen Brillenschlange im Buchladen zum Vamp mutiert. Jetzt spielt sie verruchte Frauen, also soweit Hollywood verruchte Frauen erlaubt. Die haben in den fünfziger Jahren nicht mehr einen solchen Höhepunkt, wie sie ihn im Film Noir hatten, als es nur noch good-bad girls und femmes fatales zu geben schien. Rita Hayworth in Gilda wird unvergessen bleiben.
Zehn Jahre nach The Big Sleep entdeckte Douglas Sirk Dorothy Malone und gab ihr eine gewagte Rolle als frustrierte Nymphomanin in Written on the Wind. Was ihr sogleich einen ✺Oscar einbrachte. Lauren Bacall nicht, obgleich die die Hauptrolle spielte. Das war das zweite Mal, dass Dorothy Malone der Bacall die Show stahl. Ich weiß nicht, ob die beiden jemals Freundinnen geworden sind. Unsere Sympathien (und die der Motion Picture Academy) sind natürlich auf der Seite von Dorothy.
Ich liebe sie wie selten einen Menschen im Kino, hat Rainer Werner Fassbinder gesagt. Denn wir lieben die verruchte Dorothy Malone und können deshalb die edle Lauren Bacall nicht ausstehen. Oder, wie Fassbinder es formulierte: Statt dass sie (Lauren Bacall) mit ihm (Robert Stack) saufen ginge, was begriffe von seinem Schmerz, wird sie immer edler und reiner und immer mehr zum Kotzen, und immer deutlicher sieht man, wie sehr sie eigentlich zu Rock Hudson passen würde, der auch zum kotzen ist und auch edel. Irgendwie hat Fassbinder diesen Film instinktiv begriffen - was natürlich niemanden wundert, weil Douglas Sirk für ihn ein großes Vorbild ist. ✺Written on the Wind ist ein Melodrama in den kitschigsten Farben, die Technicolor zu bieten hatte.
Bosley Crowther von der New York Times konnte dem Film nichts abgewinnen, er schrieb über ihn, er sei badly, cheaply written by George Zuckerman and is abominably played by a hand-picked cast. The sentiments are inflated — blown out of all proportions to the values involved. And the acting, under Douglas Sirk's direction, is elaborate and absurd. Doch in einer neueren Rezension in derselben Zeitung schreibt sein Kollege Dave Kehr: 'The Tarnished Angels' is among Sirk’s most self-conscious and artistically ambitious creations.... This is bravura filmmaking in the service of a haunting vision. Yet there are moments of almost microscopic subtlety: the camera movement that expresses the moral reversal of the Hudson and Stack characters, one growing larger than the other; the infinite tenderness with which Hudson strokes Ms. Malone’s hair, helplessly trying to comfort her after a shock.
Es gibt wenige Filme, die die Kritiker derart entzweien. Ich lasse jetzt mal Pauline Kaels Satz 'The Tarnished Angels' is the kind of bad movie that you know is bad—and yet you’re held by the mixture of polished style and quasi-melodramatics achieved by the director, Douglas Sirk beiseite. William Faulkner, dessen Roman Pylon hier zwanzig Jahre später verfilmt wurde, mochte das Drehbuch nicht (er hatte auch das Angebot, das Drehbuch selbst zu schreiben, abgelehnt). Doch er mochte das Endergebnis: Thought it was pretty good, quite honest. Fügte dem aber hinzu: But I'll have to admit I didn't recognize anything I put into it. Und trotz dieser netten Ironie war er der Meinung, dass dies die gelungenste Verfilmung eines seiner Romane sei.
The Tarnished Angels soll (wie der Roman Pylon) in den dreißiger Jahren spielen, doch die dreißiger Jahre sehen hier sehr wie die fünfziger Jahre aus. Auch wenn der Film nicht in den grauenhaften Technicolor Farben gedreht worden ist, über die Frieda Grafe sagte: Die Farben nehmen einen an der Hand. Sie sind der verbindende rote Faden zwischen den Personen. Durch sie dringt etwas in die Menschen ein, das erst nach und nach sich zu Gefühlen konkretisiert. Den Film in Schwarzweiß zu drehen war keine künstlerische Entscheidung von Sirk, Universal hatte kein Vertrauen auf einen kommerziellen Erfolg und spendierte dem Regisseur nur das billigere Schwarzweißfilmmaterial.
Dieser Schwarzweißfilm bemüht sich nicht, sich an der Photographie der FSA Photographen der dreißiger Jahre zu orientieren, ist niemals körnig, dunkel, schmutzig. Dies ist nicht the real thing. Dies ist wie ein Filmtitel von Sirk: ✺Imitation of Life. Eine high key Ausleuchtung im fifties style, wie Universal es gerne haben möchte. Nichts mehr mit Film Noir. Es ist der Stil der Zeit. Wäre Cat on a Hot Tin Roof in Schwarzweiß gedreht, würde er genauso aussehen. Dazu zerstört das neue Cinemascope Format jede Möglichkeit - die John Ford bei der Verfilmung von Steinbecks The Grapes of Wrath noch hatte - der Simulation eines Films der dreißiger Jahre. Jedes Bild ist bis in die Ecken durchkomponiert, hat er das an der Universität Hamburg bei Panofsky gelernt? Another influence on me was Erwin Panofsky, later the great art historian, under whom I studied. I was one of the select in his seminar, and for him I wrote a large essay on the relations between medieval German painting and the miracle plays. I owe Panofsky a lot.
Douglas Sirk dreht Written in the Wind ein Jahr später noch einmal. Dieselben Darsteller (Dorothy Malone, Rock Hudson, Robert Stack), aber ein besseres Buch (in 'Written on the Wind', the whole story is artificial), und natürlich wieder ein Melodrama. Andrew Sarris (ein Kritiker, dem man mehr Vertrauen schenken kann als Bosley Crowther) hat das sehr schön formuliert: Even in most dubious projects, Sirk never shrinks away from the ridiculous, but by a full-bodied formal development, his art transcends the ridiculous, as form comments on content. Und 'Written on the Wind' and 'Tarnished Angels' become more impressive with each passing year. Die deutsche Filmkritikerin Frieda Grafe hat die Wirkung der Sirkschen Melodramen plakativ mit Entweder heult man, oder man kotzt beschrieben.
Dorothy Malone, die in gewissem Sinne William Faulkner ihre Karriere verdankt - er hatte das Drehbuch zu Chandlers The Big Sleep geschrieben - bedankt sich jetzt bei Faulkner. Gibt ihm durch ihre schauspielerische Leistung ein wenig Dank zurück. Spielt die LaVerne Shuman mit der abgebrühten toughness der Great Depression, und gleichzeitig ist sie so zart und zerbrechlich. So gut wie in den Filmen von Douglas Sirk ist sie nie wieder gewesen (obgleich man sie in dem Western Warlock, der Fernsehserie Peyton Place und bei ihrem Kurzauftritt in Basic Instinct gerne gesehen hat): Then there is Ms. Malone, who won a supporting actress Oscar for her work in 'Written on the Wind' but gives the true performance of her career here as an angelic figure dressed in white and lighted with searing brightness by Sirk. Her large, pale eyes convey reserves of sadness and experience that the Hudson character will never know (Dave Kehr).



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