Donnerstag, 9. Juli 2026

Geburtstagsgruß für eine Jugendliebe

Als ich Wiederholungen geschrieben hatte, sagte mir ein Freund, dass ich mich sehr weit vorgewagt hätte mit der Offenlegung von Gefühlen. Aber tue ich das nicht immer, wenn ich über Frauen schreibe? Wir waren ja so verklemmt damals, wir konnten uns unsere wahren Gefühle nicht so einfach mitteilen, sagte mir meine Jugendfreundin Ute letztens am Telephon. Jetzt im Alter können wir alles sagen. Und dann fügte sie hinzu: Du warst immer in meine kleine Schwester verliebt. Ich war baff. Wie kam sie darauf? Nein, ich war nicht wirklich in ihre kleine Schwester verliebt, aber ich fand sie sehr sexy. Eine kleine Brigitte Bardot mit roten Haaren und Stupsnase, die die ganze Schule bewunderte. 


Wir redeten damals viel, aber wir fanden nicht die richtigen Worte. Es ist nicht leicht, das Zauberwort zu finden, so dass die Welt zu singen anhebt. Ich redete damals sehr viel, aber ich wusste nicht, was ich wollte. Da war ich wie Jean-Louis Trintignant in dem Film Ma Nuit chez Maud, zu dem Françoise Fabian sagt: J 'aime bien les gens qui savent ce qu'ils veulent. Liebe war etwas Neues, auf das wir nicht vorbereitet waren. Wenn wir uns auch nicht alles im Gespräch sagen konnten, hatten wir doch eine Form der Kommunikation der Gefühle. Wir schrieben uns Briefe. Heute schreibe ich das alles ins Netz, auch diesen Geburtstagsgruß für die Ute, die zwischen den Zeilen immer in diesem Blog war. Die manchmal auch in den Geschichten von der schönen Buchhändlerin auftaucht. Der Schluss von Chorprobe ist eine wahre Geschichte aus ihrem Leben.

Als ich in dem Telephongespräch die Ingrid erwähnte, sagte Ute: Kam die vor mir oder nach mir? Das fand ich nun sehr witzig, Frauen zählen offenbar mit. Im Gegensatz zu der Kleinstadtprinzessin Ingrid hat Ute mir letztens ein neues Photo geschickt. Irgendwo am Strand, Nordsee oder Ostsee. Sie und ihre drei Schwestern. Kriegsjahrgänge 1939-1944 stand dabei. Ihre roten Haare waren dem Grau gewichen. Aber sie war schön wie immer. Die Stents am Herzen und die kaputte Wirbelsäule, die sieht man nicht. Sie wirkt zehn Jahre jünger als sie ist, forever young

Als es mit unserer Jugendliebe zu Ende ging, schickte sie mir aus Thiais bei Paris, wo sie als au pair arbeitete, einen kleinen Zettel auf dem stand: Die Liebe bricht in einem Herzen nur zerbrechliche Dinge; und bricht sie alles darin, so war alles darin zerbrechlich. Den Zettel habe ich immer noch. Den Lieblingsteddy ihrer Kindheit, den sie mir schenkte, habe ich auch noch. Wir sind Freunde geblieben, ein Leben lang. Konnten uns unsere wahren Gefühle mitteilen, weil wir nicht mehr so verklemmt waren wie damals. L'âge ne vous protège pas des dangers de l'amour. Mais l'amour, dans une certaine mesure, vous protège des dangers de l'âge, hat Jeanne Moreau gesagt. Utes Geburtstag im Juli vergesse ich nie, und deshalb habe ich heute neben diesem etwas unkonventionellen Happy Birthday Gruß auch noch ein schönes kleines Gedicht von Walter Helmut Fritz für sie:

Nein, ich vergesse es nicht, 
man muß eine Geschichte erleben, 
ehe man sie erfindet. 
Was wirst du tragen? 
Einen weißen Rock, 
eine schwarze Bluse. 
Der Tag ist neu, 
als habe es noch keinen gegeben  
Die Zeit beginnt jetzt. 
Ich werde auf dich zurennen.  
Der Morgenwind ist in Eile, 
die Gewässer sind unterwegs.